Chapter

Erstes Kapitel

Ein wüstes Geschrei tönte durch die niedere Stube des sogenannten »Stammhauses«, einer kleinen abgelegenen Schenke in Olmütz, wo sich allabendlich die Brüder in studio zu versammeln und ihrer Lustbarkeit freien Lauf zu lassen pflegten; da ward an den massiven Eichentischen umher getrunken, gewürfelt, gesungen und gesalbadert, daß der Sprechende sich oft selbst nicht verstand, und die gesteigerte Bemühung, sich einander verständlich zu machen, gewöhnlich in allgemeine Unverständlichkeit ausartete. Auch an tollen Raufszenen fehlte es nicht, denn die jungen Herren Studenten trugen ihre wohlgeschliffenen Klingen jederzeit an der Seite und ließen sich ein unebenes Wort nicht zweimal sagen. Zudem schnitten sie gar schiefe Gesichter, sobald ein Mensch eintrat, der nicht zu ihrem Bunde gehörte, oder von demselben nicht geduldet war. Da ward des Federlesens nicht viel gemacht, der ungebetene Gast mußte sich über die Maßen bescheiden fügen und schmiegen, wenn er nicht den Schauplatz, auf welchem er eben mit zu agieren begann, in kürzester Zeit von außen, und zwar oft in der unbequemsten Lage, betrachten wollte. »Zaus ihn, Wallach!« war die gewöhnliche Losung, wenn es auszumustern galt. Dieser Wallach war niemand anderer, als ein Student namens Valentin Schmidt, der Sohn des gleichnamigen reichen Handelsmannes, ein stämmiger, zwanzigjähriger Jüngling, mit schwarzen Locken, rollenden

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