Das Thürgitter
Der Kerkermeister erschien in Begleitung seines treuen, vierfüßigen und mürrischen Begleiters. Er pflegte ihn gewöhnlich bei seinen Visitationen mitzunehmen, damit dieser sorgsame Wächter jeden Gefangenen genau kennen lerne. Rosa war ihm entgegengeeilt. »Mein Vater,« rief sie, ihren Zügen den Ausdruck einer sehr hohen Neugierde einprägend, »seht Ihr, hier ist das berüchtigte Zimmer, aus dem Hugo Grotius entwichen ist, o, wie gerne möchte ich es sehen.« »Ja, ich entsinne mich dieses Spitzbuben von Grotius, ein Freund des bekannten gleich großen Verbrechers Barenweld, den ich in meiner Jugend hinrichten sah. Nun ich versichere Dich, wenn es auch jenem Schurken gelang zu entkommen, so werde ich Maßregeln zu treffen wissen, daß dieser Fall sich kein zweites Mal wieder ereignet.« Er öffnete während dieser Worte die Thüre und trat, eine große Laterne in der rechten Hand, in das nun vollends dunkel gewordene Gemach. Die Lampe, die darin brannte, verbreitete nur eine matte Helle. Der Hund war unterdessen zu dem Gefangenen geschritten und beroch murrend dessen Waden. Rosa rief ihn zurück, und nur sehr ungern gehorchte das Ungethüm, sich zu den Füßen des Mädchen kauernd. Gryphus hob seine Laterne empor und beleuchtete das Antlitz des Gefangenen. »Merkt auf, mein werther Herr, was ich Euch sage: Ich bin der Kerkermeister, der Oberaufseher über alle Gefangenwärter, und bin mit der