Kapitel 1
Wir versetzen unsere Leser bei dem Anbeginn dieser Geschichte in ein weites Gemach des aufgehobenen Stiftes der Cisterzienserinnen zu Sanct Capella, nahe dem Städtchen Leidthal. Dieses Zimmer, viel zu colossal in seinen Verhältnissen um wohnlich zu seyn, bietet eine himmlische Aussicht dar, und zeigt noch die Spuren klösterlicher Pracht. Seltsam vereint werden hier die religiösen Begriffe aller Zeiten anschaulich; doch mit gemischtem Gefühl siehet man: die Gegenwart herrscht vor. An dem Plafond rollet der feurige Wagen des Elias. Wie zu vielen tausendmalen mogten seit dieser Himmelfahrt die Sonnenrosse ihren Lauf vollendet haben! aber jene Flammen sind erloschen, und der Prophet erscheint nur noch als ein grauer Schattenriß seiner Zeit. Scenen des römischen Cultus geben den leeren Wänden ein sinnvolles Interesse, und über erblaßten Martern der eifrigsten Bekenner ihres Glaubens hängt Doctor Martin Luthers Bildniß gloriös in einem Rahmen von echter Bronze. Die erhabene Arbeit über dem Kamin von schwarzem Marmor versinnlicht ein Autodafé, und die darunter lodernde Glut, welche die Jahreszeit und der Raum des Zimmers erfordert, dient dazu, dies Relief zu beleuchten, mit einem Schauer für die Phantasie, der fast die Wohlthat der empfundenen Wärme vernichtet. Die Möbeln sind theils veraltet und doch pomphaft, theils von neuer Brauchbarkeit und Simplicität. Das hochlehnige Canapee,