Erster Akt
Erster Auftritt Chrysald. Arnolph Chrysald. Im Ernst? Sie wollen dieses Mädchen frei'n? Arnolph. Im Ernst, ich werde keinen Tag mehr zaudern. Chrysald. Hier ist es menschenleer: wir sind allein Und können ohne Furcht vor Zeugen plaudern. Darf ich als Freund aufrichtig sein und offen? Ihr Vorsatz läßt mich wenig Gutes hoffen, Und komm' es, wie es mag, ein schönes Kind Heiraten ist für Sie nicht ungefährlich. Arnolph. Sehr wohl, mein Freund. Es scheint mir ganz erklärlich, Daß Sie für mich in Sorge sind. Nach Ihnen ist's ein Evangelium, Daß jeden Ehemann die Hörner zieren. Chrysald. Das hängt vom Schicksal ab: es wäre dumm, Deshalb vorher den Mut schon zu verlieren. Doch diesmal seh' ich schwarz, weil grade Sie Mit hundert armen Gatten Spott getrieben, Weil der Geringste gleich dem Höchsten nie Von Ihrem scharfen Witz verschont geblieben, Weil Sie verkünden wie ein Zeitungsblatt, Daß der und die geheimer Schwachheit schuldig ... Arnolph. Jawohl. In welcher zweiten Stadt Sind auch die Ehemänner so geduldig? Hat man die Auswahl nicht? Gewahrt Man nicht fortwährend Gimpel jeder Art? Der sammelt Schätze, die sein Frauchen täglich In seiner Nebenbuhler Taschen senkt, Und der, gleich ehrlos, wenn auch minder kläglich, Sieht ruhig zu, wie man sein Weib beschenkt, Und traut ihr arglos, bindet sie ihm auf, Das alles sei nur ihm zu Ehren. Der eine schnaubt und kann sich doch nicht wehren,