Das Landhaus
Das Haus sah aus wie der Besitz eines in engen Grenzen lebenden Landedelmannes. Es lag nicht weit vom Oberlaufe der Alster und wäre von Hamburg her durch eine dreiviertelstündige Autofahrt zu erreichen gewesen; aber der Besitzer, der sich den Platz sorgfältig ausgesucht hatte, schien keinen Wert auf Besuche zu legen. Außer wenigen Fußwegen gab es nur eine Landstraße, die in einiger Entfernung vorbeilief. Unter der Sonne war sie ruhender Staub; unter Regen und böigen Winden eine glitzernde Linie von Pfützen. Auch dieser dürftige Verkehrsweg ließ nicht ahnen, daß ein Gehöft in der Nähe war. Man mußte noch mehrere Minuten einen Fußweg durchwandern, der durch ein nicht übermäßig hohes, aber sehr dichtes Gehölz führte. Dort, wo dieser Fußweg von der Landstraße abzweigte, standen ein Mann und ein Mädchen. »Drei Jahre sind eine lange Zeit« sagte der Mann. Er zwängte seine beiden Daumen unter die Schulterriemen seines Rucksackes, wie um sich die Last leichter zu machen. »Soweit man einen Menschen überhaupt kennenlernen kann, soweit, denke ich, habe ich Sie kennengelernt. Und so ist mein Entschluß eigentlich nicht von heute oder gestern; nicht von Wochen oder Monaten. Vor Jahren schlug er Wurzel; gestern ist er gereift.« Aus ihren Augen glitt ein ernster Blick zu ihm. »Mein Wille ist nicht weniger alt.« Er nickte und wies mit den Augen in die Richtung, in der das Landhaus lag. »Wenn ich