1. Kapitel. Das merkwürdige Meerungeheuer
Der Frachtdampfer "Dresden" kam von Bombay und hielt den gewoehnlichen Kurs auf die englische Felsenfeste Aden, wo er noch fuer seinen Heimathafen Hamburg eine betraechtliche Ladung arabischer Datteln an Bord nehmen sollte. Die "Dresden", der Reederei Opmann u. Komp., Hamburg, gehoerig, war ein neues, eisernes Schiff mit vorzueglichen Maschinen. In seinen Deckaufbauten befanden sich auch eine Anzahl von Passagierkabinen, die zumeist saemtlich besetzt waren und einen guten Nebenverdienst abwarfen. Jetzt auf der Heimreise hatte der Dampfer achtzehn Fahrgaeste, darunter viele Englaender, einige Franzosen und auch drei Deutsche. Da letztere mit zu den Helden unserer Geschichte gehoeren, muessen wir sie uns etwas genauer ansehen. Am 4. Mai 1904, gerade als die "Dresden" um die Mittagsstunde einem englischen Tourdampfer begegnete, der regelmaessig alle vierzehn Tage zwischen Bombay und Aden verkehrte, standen die drei, an Bord nur "das Kleeblatt" genannt, im Schutze des Sonnensegels auf dem Hinterdeck und schauten mit ihren Fernglaesern nach dem Englaender hinueber, der langsam durch die traege Duenung dahinkroch wie ein matter, schmutziger Schwimmvogel. Fritz Tuemmler, seines Zeichens Ingenieur, liess jetzt das Glas sinken und sagte kopfschuettelnd zu seinen beiden Freunden: "Die Hitze erzeugt geradezu Visionen, wenn man laengere Zeit auf einen Punkt hinstarrt. Soeben glaubte ich da