Chapter

Die Schleppe

Eduard Holding war soeben als ein neuer Mensch aus der Hand seines Schneiders hervorgegangen. Nun sind wohl wenige über alle menschliche Eitelkeit so erhaben, daß die Gewißheit, ein wohlgekleidetes Mitglied der menschlichen Gesellschaft zu sein, nicht eine angenehme Wärme in ihrem Inneren verbreitete, und so fühlte auch Holding eine Art sonniger Behaglichkeit von diesem Bewußtsein ausgehen. Zudem hatte er bei Hiller ausgezeichnet zu Mittag gegessen und vorzüglichen Wein dazu getrunken und saß nun im Kaiserhof in einer abgeschlossenen Ecke des Cafés, von dem aufmerksamen Kellner, der seine Gewohnheiten kannte, bereits mit seinen Lieblingsjournalen versorgt, vor einer Tasse »Schwarzen«, blies den Rauch einer vortrefflichen Havanna vor sich hin und schaute, ehe er sich in die Zeitungen vertiefte, noch ein Weilchen in die Luft und dachte an nichts. Es gibt Momente rein körperlichen Behagens, wo Sorgen und Wünsche schlafen und der Mensch das Dasein einer Pflanze führt, die in der Stille der Luft mit allen Blättern den warmen Sonnenschein trinkt. In dem Moment, als er die Augen wieder senkte und im Begriff war, eine Zeitung zu ergreifen, fiel sein Blick auf einen jungen Mann, der soeben gekommen war und ihn eine kurze Weile stillschweigend beobachtet hatte. »Sieh da, Siebold,« sagte Holding erfreut, indem er mit auffordernder Handbewegung einen Stuhl zurechtrückte. Der andere setzte

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