Die Scharlachpest
Der Weg führte an einer Erhebung entlang, die einst ein Eisenbahndamm gewesen war. Seit vielen Jahren jedoch war kein Zug mehr über diesen Schienenstrang gelaufen. Zu beiden Seiten drängte der Wald an den Böschungen des Dammes empor. Allein ein schmaler Pfad war geblieben, der eben noch dem Körper eines Mannes Durchlaß gewährte und eigentlich nur ein Wildwechsel war. Hie und da lugte ein Stück rostigen Eisens aus dem Waldboden hervor und zeigte, daß Schienen und Schwellen noch vorhanden waren. Ein zehnzölliger Baumstamm hatte an einer Stelle ein Verbindungsstück durchbrochen, so daß ein Schienenende bloßgelegt war. Die mit der Schiene verbolzte Schwelle war mit ihr gehoben worden, und zwar dank der Länge des Bolzens so hoch, daß das Lager der Schiene sich mit Kies und welken Blättern hatte füllen können und sich der morsche, verfaulte Balken jetzt in einem merkwürdig steilen Winkel bäumte. Ein Greis und ein Knabe wanderten den Pfad entlang. Sie kamen nur langsam vorwärts. Ein leichter Schlaganfall hatte die Bewegungen des Alten zittrig gemacht, er stützte sich schwer auf seinen Stock. Eine derbe, aus Ziegenfell verfertigte Kappe schützte seinen Kopf vor der Sonne. Darunter sah das spärliche, in die Stirn gekämmte Haar fettig und schmutzigweiß hervor. Ein erfinderisch aus einem großen Blatt gebogener Schirm beschattete seine Augen, die aufmerksam den Weg zu seinen Füßen