1. Kapitel. Gold der Verführer
Wie ein Zug Gespenster jagte der Trupp Beduinen mit ihren flatternden Mänteln und den leise klingenden Glöckchen der Reitdromedare durch die einsame, nächtliche Wüste nach Süden zu, immer zur Rechten die letzten Ausläufer des Dschebel el Dachali behaltend, der sich mit seinen kahlen Felsmassen dunkel und drohend in die Luft reckte, anzusehen bei diesem ungewissen Licht wie ein schwarzer, unregelmäßiger Strich am westlichen Horizont. Vierzehn Reiter waren’s. Nicht alle jedoch Söhne der Wüste. Nein, zwei Europäer befanden sich darunter, – – zwei, denen die Füße mit Riemen unter dem Leibe ihrer Tiere zusammengebunden waren. Ihre verwilderten Bärte, ihre schadhafte Kleidung – gelbgraue Tropenanzüge – deuteten darauf hin, daß schon die beiden Männer, von denen der eine, der ältere, recht mager und schmächtig war, bereits längere Zeit fernab von allen Stätten der Kultur ein abenteuerliches und entbehrungsreiches Leben geführt hatten. Als jetzt der vorderste der Beduinen – sie gehörten zum Stamme der Iringi – sein prachtvolles Dromedar in Schritt fallen ließ, fand der eine der Weißen Gelegenheit, seinem Gefährten zuzuflüstern: „Ich bin nur neugierig, wohin sie uns bringen?! Was soll diese Hetzjagd?! Die braune Bande wird doch nicht verfolgt …!“ Der Ingenieur Gustav Ring erwiderte nichts, da bereits einer der Beduinen sein Reittier dicht an sie herandrängte und drohend seine lange