Chapter

Erster Teil

Es kommt darin ein Mensch zur Welt in einem unruhigen Haus. Mit Mutter Sara ließ sich nicht viel Staat mehr machen. Im Lauf der Jahre war ihr Bauch zu dick geworden, und ihre Haare hatten eine sonderbare Farbe angenommen – eine Farbe, die weder grau noch weiß noch sonst ehrwürdig wirkte, sondern am ehesten noch der wochenalten Schnittfläche eines Stockfisches glich. Bittere Erlebnisse hatten ihre Züge hart gemacht, und heute war eine neue Last von schwerer Kümmernis dazugekommen. Während sie betete, dachte sie an eine dieser Sorgen: wäre wenigstens eine von den anderen sechs Hennen krank geworden, so hätte das noch angehen können, – oder nein – Henne ist Henne, und für eine arme Judenmutter ist es kein Spaß, wenn eine ihr erkrankt. Aber gerade »die große«, nicht nur die jüngste, sondern auch die schwerste unter ihnen. »Gerade die schwerste!« wiederholte sie bei sich, indessen ihre Lippen weiterbeteten, wie ein Pferdegespann auf wohlvertrautem Weg auch ohne Lenker weitertrottet. In einer Ecke der Stube war Ruth an dem Heukorb tätig, in dem das gestern schon gekochte Essen mißmutig versuchte, warm zu bleiben. Obgleich der Inhalt des Korbes auf keine Art dazu ermutigte, hätte sie beinah ein Liedchen anstimmen wollen, das sie vor ein paar Tagen irgendwo gehört hatte. Es war ein schlichtes Lied von einem Mädchen und einer blauen Glockenblume. Außer denen und einem jungen Mann mit

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