Vorbericht
Vorbericht *** Wenn die Geschichte Begebenheiten, Thatsachen und Charaktere aufstellt, die historisch beurkundet und mit dem Griffel der Wahrheit gezeichnet sind, und wenn sie die wechselnden Schicksale der Länder und Völker schildert, so tritt sogleich die Sage neben sie, holt aus den ehrwürdigen Tiefen der Vorzeit manches wunderbare Gebild herauf, befruchtet mit dichterischer Phantasie durch Mährchen und Lieder den Boden der Wirklichkeit und ergänzt, wenn auch ihre Überlieferungen großentheils nur Geschöpfe der Einbildungskraft sind, dadurch, daß sie uns ein treues Bild vom Geiste des Volkes gibt, unter dem solche entstanden und fortleben, [IV:] in gewissem Betracht die Geschichte selbst, auf deren Grund sie mehr oder weniger gebaut ist. Gleich dem der früheren und späteren Heroenzeit des Alterthums erscheint, auch unter manchen abweichenden Verhältnissen, dieser Geist in den Tagen germanischer Vorzeit und des Mittelalters. Die Kämpfe der rohen Gewalt und Unwissenheit mit emporstrebender Bildung und edler Sitte, des dunklen Vorurtheils und Aberglaubens mit dem göttlichen Lichte der Vernunft, Wahrheit und Menschlichkeit, und das so glänzend hervortretende Ritterthum, welches, wie ich schon anderswo bemerkt habe, da, wo es im ächten und reinen Sinne geübt ward, nicht allein den kriegerischen Muth in Abenteuern und Gefahren, sondern auch den daraus entspringenden Schutz der