Erster Teil: In der alten Welt
Es war ein hohes gotisches Fenster, wie man es gegen Ende des siebzehnten Jahrhunderts in Paris allgemein fand. Über dem breiten Querbalken, der es durchschnitt, war ein zierliches Wappenschild – drei rote Disteln auf Silbergrund – in die rautenförmige Scheibe eingelassen. Darunter ragte eine starke Eisenstange hervor, von der das vergoldete Miniaturbild eines Wollballens herabhing, das sich bei jedem Windstoß knarrend hin und her bewegte. Gegenüber lagen hohe, schmale, stattliche Häuser, deren Fassaden mit kunstreichen Holzverzierungen geschmückt und von spitzem Giebelwerk und Ecktürmchen überragt wurden. Dazwischen lag das holprige Pflaster der Straße St. Martin, von dem das Geräusch zahlloser Fußtritte heraufschallte. Innerhalb der Fenstervertiefung befand sich eine breite, mit braunem gepreßtem Leder ausgeschlagene Bank, auf der die Hausgenossen es sich bequem machen und hinter den Vorhängen alles beobachten konnten, was in der geschäftigen Welt zu ihren Füßen vorging. Heute saßen zwei Personen in diesem lauschigen Winkel: ein Herr und eine Dame, aber sie hatten den Vorgängen draußen den Rücken und dem behaglich eingerichteten, großen Gemache das Antlitz zugewandt. Von Zeit zu Zeit sahen sie einander an, und ihre Augen zeigten klärlich, daß sie keines andern Anblicks bedurften, um glücklich zu sein. Das durfte auch nicht wunder nehmen, denn sie waren ein schönes Paar. Sie