Erstes Kapitel
Sein wohlbekanntes, schüchternes Klopfen an der Thür rüttelte mich aus all den sonnigen Träumen auf. Draußen braute der Herbstabend graue Wetterwolken, und verdämmerndes Zwielicht ließ die Umrisse des armseligen Gemaches verschwimmen, darin ich nun schon so viele, viele Monate hindurch rastlos, mit immer wachsendem Eifer dem seltsamen Problem nachgrübelte. Von Tag zu Tag hatte ich gehofft, aus dieser elenden Umgebung emporsteigen zu können, ein Sieger, ein Geistesfürst, vor dem alle Welt huldigend sich beugen würde; aber noch hatte jede Nacht zusammenbrechen sehen, was tagsüber in ehrlicher, angestrengter Arbeit langsam entstanden war. Das Schlußglied der Kette fehlte noch immer. Und trotz alledem verzagte ich nicht. Ich wußte ja, daß jeder Mißerfolg mich dem heißersehnten Ziele näher brachte; immer sah ich den Weg dahin deutlich vor mir, weiß schimmernd, lockend, wie man in finsterer Frühlingsnacht den Waldpfad vor sich sieht. So jung und unbekannt ich war, so bleich und mager mein Gesicht, so abgetragen, ja zerlumpt meine Kleider – ich durfte doch von der Höhe meines Dachstübchens stolz und selbstbewußt auf die da unten hinabschauen. Mochte man immerhin über mich lächeln und den Kopf schütteln über mich; mochte die Wirtin, der ich den Mietzins bereits seit acht Wochen schuldig war und die mich nur deshalb nicht von der Polizei aus dem Hause bringen ließ, weil sie zur