Chapter

I. Band - Erstes Capitel

Ein reges Leben herrschte in der alten Reichsstadt Goslar, der einst so glänzenden Residenz Kaiser Heinrichs, dessen hochragendes Schloß in Ruinen daliegt und traurig hinabblickt auf die Stadt am Harz. Lange waren sie vorüber die Tage des alten Glanzes, und still hatte das Leben in der vergessenen Bergstadt sich von Jahr zu Jahr hingezogen – wie träumend nur hatten sie herübergerauscht die Sagen von den verschwundenen Zeiten aus den dunkeln Wäldern des Harzes her, in denen einst der große kaiserliche Vogelsteller sein Netz spannte, – und die alte Kaiserresidenz war zur kleinen Provinzialstadt des Königreichs Hannover geworden, in welche kaum einmal ein Fremder seinen Fuß setzte, wenn nicht ein Alterthumsforscher den Spuren der großen Vergangenheit nachging. Dann aber war plötzlich in den neuesten Tagen das alte Goslar ein Sammelpunkt von Fremden aus aller Herren Länder geworden, – aber nicht wegen der Alterthümer kamen sie, sondern wegen der wunderbaren Heiltränke, welche der Schuster Lampe aus den Kräutern des Harzes zu brauen verstand und von deren Wirkungen bei sonst unheilbaren Krankheiten man sich die unglaublichsten Dinge erzählte. Wer von den Aerzten aufgegeben war, der kam nach Goslar zu dem wunderthätigen Schuster und verbreitete dann den Ruf von dessen Tränken weiter. Wohl hatten die zünftigen Aerzte den eigenthümlichen Naturarzt verfolgt und ein Verbot seiner Kuren

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