Theo und Valerian
In der Landeshauptstadt waren, durch eine äußere Veranlassung zusammengeführt, viele der Familien anwesend, welche sonst die schöne Jahreszeit, oder was man unter unserm Himmelsstrich so zu nennen pflegt, auf ihren Landgütern zubringen. Die zwei Ladies Patronesses eines Clubs hatten nun Einladungen zu einer Abendgesellschaft ergehen lassen, die im Clublocal improvisirt wurde. Man versammelte sich in einem finstern, schmucklosen Hotel von düsterm Ansehen, das die ganze sorglose Nachlässigkeit und den völligen Mangel an Schönheitssinn verrieth, womit man in unserm Lande gewohnt ist, seine Wohnungen und Anlagen, seine kunstgeschmückten Säle und ererbten Schätze verkommen und verderben zu lassen. In einigen hohen Gemächern, bei deren eben nicht auffallend glänzender Einrichtung alte und neue Zeit zusammen hergespendet haben, bewegen sich alle jene Gestalten, welche wir in Surenburg kennen lernten, nebst mehreren andern, und eine Anzahl Damen obendrein. Die Gesellschaft ist durchaus exquisit; kein Tropfen, der nicht reinstes Vollblut wäre, nicht das geringste plebeje Element ist da, welches einen trüben Hauch oder Schatten auf die glänzende Reinheit dieser Assembler werfen könnte; der Odem eines Roturiers hat nie die lautere Atmosphäre dieser Gemächer inficirt; ein großer und genialer Künstler, ein die Welt erschütternder Denker würde vergeblich um die Gunst buhlen, eine Einladung