Die Reisenden
Es war an einem schönen Sommernachmittage, als drei junge Männer in lebhaften Gesprächen im schattigen Lindengange auf- und niederwandelten. Keiner kannte den Andern genau; noch weniger waren sie Freunde, und daher betraf ihre Unterhaltung auch nur unbedeutende Gegenstände. Doch wurde laut und sogar heftig gesprochen, weil der jüngste der Redenden es seinem Charakter und ausgezeichneten Verstande angemessen hielt, seine Gedanken und Meinungen nicht ruhig, sondern in einem gewissen zänkischen und anmaßenden Tone vorzutragen, durch welchen er vielleicht seine Gegner eher zum Schweigen zu bringen, wenn auch nicht zu überzeugen glaubte. Sie sind, wie Sie mir gesagt haben, Arzt (so rief er eben jetzt aus), und als ein solcher haben Sie sich seit Jahren gewöhnt, das ganze Menschengeschlecht aus dem Gesichtspunkte der Kränklichkeit anzusehen. Wir Gesunden aber werden uns gewiß nicht so leicht, Ihrem Metier zu Gefallen, unsre feste Ueberzeugung nehmen lassen. Mein Herr von Wolfsberg, erwiederte der Arzt, von meinem Metier, wie Sie es zu nennen belieben, kann hier gar nicht die Rede seyn. Ja wohl, sagte der dritte Sprechende, welcher der Ruhigste schien. Wie kommen wir denn überhaupt dazu, zu streiten? Wir reden ja nur über allgemeine Gegenstände, die unmöglich einen von uns persönlich aufreizen können. Warum nicht, mein ruhiger Herr Justizrath? rief der Baron noch lebhafter aus; denn