I.
Am Samstagmorgen des 11. Januar 1710 gegen ½9 Uhr trat der Berliner Stadtrichter Helwig aus dem Portal des Rathauses im neuen Flügel in der Spandauer Straße schnell und aufgeregt einem kleinen älteren Mann entgegen, der eben von der Königstraße her auf ihn zutrat. »Gott sei Dank, Contius, daß Er endlich kommt! Hat der Bote Sello Ihm nicht gesagt, daß die Sache äußerst dringend?« Mit diesen Worten faßte Helwig den Aktuar Contius unter den Arm und schritt mit ihm eilig die Spandauer Straße zur Königstraße hinunter. Krächzend und von öfterem Husten unterbrochen, entschuldigte sich Contius, er habe einer Erkältung wegen noch schwitzend im Bett gelegen, auf die Störung nicht gefaßt, da ja letzten Montag erst Heilige Drei Könige gewesen. Grimmig lachte der Stadtrichter: »Leider kümmern sich die Mörder und Räuber den Teufel um unsere Gerichtsferien.« Entsetzt blieb der Aktuar stehen: »Räuber und Mörder? Um Gottes willen!« Helwig zog ihn am Arme weiter fort und sagte, daß ihm soeben vom Gesellen Littow und Schuster Lüdicke aus der Königstraße angezeigt, der Hofkürschner Heinrich sei tot und offenbar ermordet gegen 7 Uhr morgens in seinem Bett gefunden. »Nicht möglich! Der gute alte Mann! Da werden die Halunken viel gefunden haben! Ist man ihnen schon auf der Spur?« Ungeduldig schüttelte der Stadtrichter den Kopf. Er stand jetzt mit seinem Begleiter vor einem fünffenstrigen Haus mit