Chapter

Die Primiz

Nun wartete die Witwe Thoma schon Wochen. Aus Rom, der großen Stadt in Italien, wo Seine Heiligkeit Papst Pius X. thronte, war der Brief gekommen, der der Mutter verhieß, daß nun bald ihr Sohn bei ihr sein werde. Ihr Joseph, ihr Letztgeborener! Und mit ihr wartete das ganze Dorf. Wie eine frohe Botschaft war es durch die Stille von Hof zu Hof geflogen; wie eine Verkündigung war es hinter die Hainbuchenhecken, die, giebelhoch, Haus und Stall und Weide gegen Sturm und Schnee, gegen die ganze Welt schützen, gedrungen. Hell klang es wie Posaunenton, feierlich und froh zugleich: der Joseph Thoma, der nun schon an die sieben Jahre zu Rom geistlich studierte, der im St. Petersdom schon die Weihen empfangen hatte, der kam nun her aus der weiten Ferne, um hier, in der kleinen Kirche des Heimatdorfes, seine erste Messe zu lesen und allen Gläubigen Gruß und Segen zu entbieten vom heiligen Vater der Christenheit. Glückliche Mutter! Da war kein Weib im Dorf, das nicht die Witwe Thoma selig gepriesen hätte. Gesegnete Mutter, deren Schoß einen solchen Sohn getragen hatte! Begnadete Mutter, die es erleben durfte, daß er im Priestergewand zu ihr eintrat! Selige Mutter, die im Sohn, den sie liebte, zugleich den Geweihten des Herrn verehren durfte! Alle die braunen, stattlichen Jungen, die das Vieh versorgten, das Heu mähten, die Kartoffeln hackten, den Torf fuhren, galten den Müttern jetzt

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