Die Prairien
Die Prairien. Erlebnisse eines deutschen Flüchtlings von C. B. Was für Abenteuer soll man auf dem Washington erleben können? Wir gebrauchten 16 Tage bis New-York und waren dort angelangt, ohne daß ich Gelegenheit genommen, meine Reisegesellschaft näher kennen zu lernen. Sie interessirte mich nicht. Ich hatte mein Vaterland verloren. Der Schmerz war zu neu, zu gewaltig. Da saß ich stundenlang in der Cajüte, nahm das Schachspiel vor und bot Schach dem Könige. Ich opferte die Königin und konnte doch nicht Matt setzen. Dann lachte ich laut auf. Während meiner Haft hatte sich meine Geliebte verheirathet und war vielleicht schon glückliche Mutter. Zuweilen hatte ich auch eine sentimentale Stimmung. Dann setzte ich mich an den Flügel und spielte. Wie ich aber auch anfing, bald waren meine lieben Volkslieder mir unter den Fingern und zauberten mir meine Heimath in ihrer ganzen Schöne vor die Seele. Ich schwamm den Rhein herunter, lag an dem Strande der Saale, ich wanderte durch das liebe Thüringen oder am Fuße des Odenwaldes. Wen nimmt es Wunder, daß ich, erwachend aus diesen Träumereien, oft mit beiden Händen auf die Tasten schlug und durch diese Dissonanz mich wieder in die platte Wirklichkeit versetzte? Wenn ich dann aufstand, bemerkte ich, daß ich nicht ohne Zuhörer gewesen war. Ich bezog das nicht auf mein Spiel. Ich wußte ja, welche Gewalt das einfache deutsche Lied auf jeden