Chapter

Die Piraten des Mississippideltas

„Du wirst einsehen, mein Junge, daß unsere Sicherheit diese Maßregel verlangt. Freue Dich, daß Du modernen Freibeutern in die Hände gefallen bist. Früher hätte man Dich als lästigen Zeugen einfach über die Klinge springen lassen.“ Diese in englischer Sprache an Heinrich Oelsen gerichteten Sätze begleitete der baumlange, spindeldürre Piratenanführer, der ebenso wie seine Leute eine seidene Halbmaske vor dem Gesicht trug, mit einem höhnischen Verziehen seines von einem blonden, gutgepflegten Bart umrahmten Mundes, dessen dünne, straffe Lippen brutale Energie, Grausamkeit und Gefühllosigkeit nur zu deutlich verrieten. Dann wurde der Schiffsjunge der „Holstein“ auf den großen Motorkutter gebracht, der neben dem Wrack der deutschen Brigg lag. Diese bot mit ihren beiden geknickten Masten und den von den Wogen zerstörten Deckaufbauten ein trauriges Bild dar. Mit einem letzten, langen Blick nahm Heinrich Oelsen von dem ihm liebgewordenen Segler Abschied, auf dem er nun bereits zwei Jahre lang die Meere durchkreuzt hatte. Die Morgendämmerung wurde lichter und lichter. Die Riffpiraten mußten sich daher beeilen, mit ihrem Kutter, dessen schlanke Formen auf große Schnelligkeit hindeuteten, noch vor Hellwerden von dem Wrack wegzukommen. Mit den amerikanischen Küstenwachtbooten war nicht zu spaßen. Und gerade in letzter Zeit hatten diese eine Rührigkeit gezeigt, der man nur durch allergrößte

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