Die Perlenschnur
1895 Gräfin Marie von Kalckreuth zugeeignet. Die Perlenschnur Jeder erste Wunsch, den ein Menschenkind, einerlei ob groß oder klein, reich oder arm, in seinem Leben ausspricht, wird erfüllt und wäre der Wunsch noch so kühn und verwegen. Das wissen aber die Menschenkinder nicht, denn wenn sie es wüßten, würden die besten Wünsche alle hinweggewünscht werden und die geringen übrig bleiben, die doch auch verbraucht sein wollen. Da möchte es ein gar Leichtes sein, zu sprechen: »ich will König werden oder Königin« und es müßte also geschehen. Wenn Jedermann König wäre, wie es dann wohl in der Welt herginge. Gewiß allzu herrlich. Und wiederum würde Mancher in zaudernder Unentschlossenheit die rechte Stunde versäumen, bis seine Zeit vorbei oder ein unbedachtes Verlangen die Hoffnungen mit einem Schlage vernichtete, an denen er sich weidete wie der Geizige an seinen Schätzen. Daher ist es gut, daß die Menschenkinder nicht wissen, wie es sich mit den Wünschen verhält, und sich nicht grämen, wenn sie thöricht wählten. Es kommt aber zuweilen vor, daß der erste Wunsch recht etwas Großes und Schönes begehrt, und dann heißt es von dem Menschen, er habe Glück. Die Meisten begnügen sich jedoch mit Kleinigkeiten, die ihnen im Augenblicke des Wünschens unschätzbar erscheinen. Eine süße Frucht stellt sie zufrieden oder ein Stück Kuchen ist es, nach dem sie verlangen, und ehe sie sich versehen,