Brief an die Schriftleitung des Europäischen Boten
. . . Räumen Sie mir zwei oder drei Seiten Ihrer Zeitschrift ein, daß ich den Lesern den tiefen Eindruck mitteilen kann, den auf mich gelegentlich meines kürzlich stattgehabten Besuches in Berlin, die von der preußischen Regierung erworbenen marmornen Hochreliefs aus der besten Epoche der attischen bildenden Kunst (drittes Jahrhundert vor Christus) gemacht haben; man entdeckte sie in Pergamon (nicht im alten Troja), in der Hauptstadt eines nicht gerade großen kleinasiatischen Reiches, das erst, wie ja auch die gesamte griechische Welt, von Rom unterworfen, dann aber von anstürmenden Barbaren völlig zerstört worden war. Das Vorhandensein dieser Hochreliefs, die von einem der Könige aus der Dynastie des Attalos errichtet wurden und bei den Alten als eines der Weltwunder galten, war den Gelehrten, in Sonderheit aber dem deutschen Gelehrten, natürlich kein Geheimnis; es wird darüber in dem erhaltengebliebenen Werk eines im übrigen recht unbekannten Schriftstellers des zweiten Jahrhunderts berichtet; aber der Ruhm der Entdeckung dieser herrlichen Überreste gebührt dem deutschen Konsul in Smyrna, Herrn Humann; das Verdienst aber oder, richtiger gesagt, der Glücksfall der Erwerbung fiel der preußischen Regierung zu, der der Kronprinz energisch zur Seite gestanden hatte. Die ganze Angelegenheit wurde sehr geschickt und geheim betrieben; rechtzeitig hatte man Ingenieure und Fachgelehrte