Die Patrizierin
An einem Märzmorgen, sehr früh, als soeben der erste Tagesschimmer von den kleinen Vögeln des Wäldchens am Flusse begrüßt wurde, die sich freuten, wieder einmal die Kälte und die Gefahren einer Nacht überstanden zu haben, schritt ein junger, klaräugiger Mann in einem der Kühle des Morgens durchaus nicht entsprechenden eleganten Gesellschaftsanzuge am Ufer des Flusses hin, wo zwischen dem schnell strömenden Wasser und dem Wäldchen ein schmaler Pfad sich am Weidengebüsch vorüberschlängelte. Seinen Châpeau claque hielt er zusammengeschoben in der Linken, so daß der Morgenwind freies Spiel hatte mit dem rötlich blonden, leicht gelockten Haupthaar, das die breite offene Stirn und die Schläfen des angenehmen Gesichtes umrahmte. Die Farbe der Gesundheit lag mit rosigem Anhauch auf diesem Antlitz, dessen regelmäßige und männlich energische Züge um so mehr hervortraten, als der feine Mund, das runde Kinn und die von traulichem Verkehr mit Wind und Sonne Zeugnis gebenden bräunlichen Wangen von jeder Spur des Bartes befreit waren. Der junge Mann hätte um des letztern Umstandes willen vielleicht für einen Bühnenkünstler können gehalten werden, hätte nicht in seiner sonstigen Erscheinung bei aller Elastizität in Gang und Bewegung eine gewisse ernste Zurückhaltung und in seinen blitzenden blauen Augensternen eine seltsame Mischung von Mannestiefsinn mit kindlicher Einfachheit gelegen, wie