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Chapter

Die Zeugin Aus Dem Telegrafenamt

Das Kaiserliche Postamt am Neumarkt war ein Bauwerk von jener nüchternen Würde, die die Behörden der Reichspost sich zuzulegen pflegten, wenn sie im Königreich Sachsen bauten: ein Sandsteinportal, eine schwere Tür mit Messingbeschlag, darüber der Reichsadler. Werner trat kurz nach zwei Uhr ein. Das Publikum hatte sich gelichtet; die Nachmittagsruhe war in jenem Stadium, in dem die Beamten ihre Tinten nachfüllten und ihre Manschetten richteten. Er hatte von Fräulein Carow in jener Weise gehört, in der ein Beamter der Polizeidirektion von einer Beamtin der Post hört, die man nicht zur Bekanntschaft, aber zur Kenntnis zu nehmen hat. Sie war einunddreißig Jahre alt, unverheiratet, bewohnte mit ihrer Mutter ein Zimmer in der Rähnitzgasse und hatte, seitdem das Telegrafenwesen dem Postamt angegliedert worden war, eine der vier festen Stellen an den Morse-Apparaten des Amtes inne. Sie galt als gewissenhaft, als zugeknöpft und als von jener stillen Aufmerksamkeit, die man bei Frauen in öffentlichen Ämtern selten antrifft, weil Frauen in öffentlichen Ämtern selten die Gelegenheit erhalten, sie zu entwickeln. Werner hatte mit ihr vor drei Jahren zum ersten Mal gesprochen, in der Sache eines Wechselbetrugs, der sich über die Telegrafenleitung abgespielt hatte. Damals hatte sie ihm einen Hinweis gegeben, den er sich gemerkt hatte, und sie hatte ihn sich ihrerseits gemerkt. Seither waren

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