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Chapter

Am Droschkenstand Im Regen

Das Postamt war um diese Zeit dienstlich geschlossen, aber die Telegrafenstube blieb für den Nachtdienst offen. Werner klopfte an die Seitentür. Ein älterer Nachtbeamter öffnete. Fräulein Carow war nicht mehr da; sie hatte den Tagdienst. Werner hinterließ ein Billett, in dem er sie bat, am folgenden Morgen um sieben Uhr im Präsidium zu erscheinen. Er vermerkte darunter: *Dringlich. Telegrammverzeichnis der letzten zweiundsiebzig Stunden, Ausland. Sie wissen, wonach zu suchen ist.* Er trat wieder auf den Neumarkt hinaus. Der Regen hatte eingesetzt, nicht heftig, aber beständig, und das Pflaster glänzte. Die neun Laternen des Viertels brannten, und Werner zählte sie, ohne sie zu zählen. Er zog den Brief Pellners aus der Innentasche und las ihn noch einmal. *Mein Zug nach Prag ging um halb sechs.* Der Satz war zu freundlich formuliert, um wahr zu sein. Ein Mann, der wirklich um halb sechs abreiste, schrieb den Brief nicht selbst und hinterlegte ihn nicht so, daß er gleich gefunden wurde. Der Satz war eine Finte. Werner ließ den Brief in die Tasche zurückgleiten und ging, ohne den Schutzleuten etwas zu sagen, zum Droschkenstand am Altmarkt. Der Stand war verhältnismäßig leer, weil der Regen die Fahrgäste in die Wirtshäuser trieb. Werner sah die wartenden Kutscher durch. Er sah den Wagen mit der Nummer 248, der dort stand. Er sah, daß Mehnert nicht auf dem Bock saß. Auf dem Bock

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