Das Muster Der Laternenanzuendung
Das Gaswerk der Königlichen Haupt- und Residenzstadt Dresden, gelegen am Ostragehege, unterhielt eine Dienststelle am Altmarkt, der die Laternenanzünder des inneren Viertels unterstanden. Werner suchte sie am Morgen des neunzehnten Oktober auf, gleich nach dem Morgenkaffee, den er sich in einer Bäckerei am Altmarkt hatte geben lassen. Er mochte es nicht, einen Beamten vor dem Frühstück zu befragen; ein hungriger Zeuge war ein ungenauer Zeuge.
Die Dienststelle bestand aus zwei Zimmern, einem Vorzimmer mit einem Schreibpult und einem Hinterraum mit einem Gestell, an dem die Anzündstangen und die Prüfzettel hingen. Der Oberanzünder, ein Mann namens Richter, trat Werner entgegen. Er trug die blaue Uniform der städtischen Bediensteten, mit der Mütze des Gaswerks, und seine Hände waren, obgleich er sie sich gewaschen hatte, in den Fingerrillen rußgeschwärzt, weil die Schwärze dort nicht mehr auszuwaschen war.
„Herr Kriminalrat, womit kann ich dienen?"
„Herr Richter, ich benötige die Dienstbücher der letzten vier Wochen, und zwar für die neun Laternen im Bezirk zwischen Frauenkirche, Altmarkt und Hoftheater."
Richter zog die Augenbrauen kaum merklich hoch. Er war ein Mann, der Fragen nicht mochte, die er nicht sofort einordnen konnte, aber er war ein ordentlicher Beamter, und er wußte, wie man einem Kriminalrat gegenübertrat. Er ging in den Hinterraum und brachte vier gebundene