Wie Ein Tanzmeister Buch Fuehrt
Der Tanzsaal des Herrn Leopold Pellner lag im ersten Stock eines bürgerlichen Hauses an der Schloßstraße, zwei Quergassen vom Hoftheater entfernt, und erreichbar über eine Treppe, die mit rotem Läufer belegt und an den Wänden mit gerahmten Lithographien versehen war: das Königliche Hoftheater, die Semper-Oper, die Dresdner Brühlsche Terrasse, eine Ballettszene aus Coppélia, und, ein wenig abseits, ein Diplom des Wiener Tanzlehrerverbandes vom Jahre achtzehnhunderteinundsiebzig.
Werner stieg die Treppe langsam hinauf. Er hatte sich nicht angemeldet. Es war vier Uhr nachmittags, die Stunde, in der in einem Tanzinstitut der Unterricht der jungen Damen aus gutem Hause beendet war, aber die Unterrichtsstunde der jungen Damen aus dem Ballett noch nicht begonnen hatte. Er wollte Pellner ohne Publikum sprechen.
Das Vorzimmer war leer. Eine junge Frau in schlichtem Grau, vermutlich eine Korrepetitorin, trat hinter einem Schreibtisch hervor, nahm seine Karte entgegen, trug sie hinein und kam zurück mit der Nachricht, Herr Pellner bitte den Herrn Kriminalrat in sein Arbeitszimmer.
Pellner war ein Mann von etwa fünfundvierzig Jahren, schmal gebaut, aufrecht in jener Weise, in der ein Tanzmeister aufrecht zu sein hat. Sein Haar war pomadisiert und an den Schläfen von einem grauen Strähnen durchzogen, den er sorgfältig pflegte. Sein Schnurrbart war gewachst. Er trug ein dunkelgraues