Einleitung.
Als ich im Jahre 1898 zum ersten Male mich längere Zeit auf Island aufhielt, wurde ich beim Studium der neuisländischen Sprache und Literatur mit Jón Árnasons »Íslenzkar Þjóðsögur og ævintýri« bekannt. Je mehr ich mich in dieses zweibändige Werk vertiefte, desto mehr erwachte mein Interesse für diese Sagen und Märchen, die so vielfach Parallelen mit unseren deutschen Sagen und Märchen darboten, ohne freilich speziell in den Märchen die Vielseitigkeit unseres deutschen Märchenschatzes erreichen zu können. Bei der Lektüre des von Guðbrandur Vígfússon geschriebenen Vorwortes fand ich nun die Erklärung für diese Einseitigkeit des isländischen Märchenschatzes, nämlich die Bemerkung, dass nur ein Teil der bisher auf Island gesammelten Märchen von Jón Árnason in die Sammlung aufgenommen sei, dass besonders noch viele sogenannte Stiefmuttermärchen, mit denen sich schon zur Zeit des Mönches Oddr nach seinem Zeugnisse in der Vorrede zur »Ólafs saga Tryggvasonar« die Hirtenbuben die Zeit vertrieben, ungedruckt sein müssten. Und auch der kurze Zeitraum von drei Jahren, in dem eigentlich die Árnasonsche Sammlung zu stände gekommen war, wies weiter darauf hin, dass mit dieser Sammlung der Sagen- und Märchenschatz des isländischen Volkes nicht völlig gehoben sein konnte. – Denn wenn auch schon im Jahre 1817 die im vorhergehenden Jahre in Kopenhagen gegründete isländische Literaturgesellschaft