Kapitel 1
Die alte Gasse, in der seit länger als einem Jahrhundert die Lenzsche Konditorei lag, hieß der Ritterwall. Vor Zeiten hatte sie einen Teil des um die jetzige Innenstadt gezogenen Festungsgürtels gebildet. Die Überlieferung erklärte ihren Namen aus dem Umstande, daß hier einst vor grauen Jahren die Herren vom Deutschen Orden ein Hospital errichtet hatten. Heute freilich war davon nichts mehr vorhanden. Menschen und Zeiten hatten sich von Grund aus geändert, die alte Stadt sich gereckt und gestreckt. Schon zwei weitere Festungsgürtel waren längst gesprengt, und was einst als äußerste und feste Grenze zum Schutze der Bewohner gedient, das lag jetzt mitten drinnen in einem Gewirr von engen Gassen und Gäßchen, deren Häuser längst nicht mehr den Anforderungen der verwöhnten Reichen genügen konnten. Weitere und immer weitere Kreise zog das Leben. Wo einst die Wälle und Gräben des zweiten Festungsgürtels dem Feinde Trutz geboten, wandelte man jetzt zwischen Blumenbeeten und unter schattigen Bäumen. Denn eine weise Regierung hatte bei Schleifung dieses Gürtels dessen Bebauung verboten und die Verwendung des wertvollen Grund und Bodens im allgemeinen Interesse angeordnet. So war ein reizender Halbkreis herrlicher Anlagen entstanden, der sich, ein grüner Wall, um die ganze innere Stadt bis zu dem Ufer des breiten Stromes zog. Und auch diese Anlagen gehörten längst zum Zentrum. Nur ganz