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Chapter

Die Wandlung

Das Rezeptbuch ihrer Tante enthielt die Antwort. Zwischen den Rezepten für Hustensaft und Wundsalbe fand Frida eine Seite, die in einer anderen Handschrift geschrieben war, älter und eckiger, und die eine Tinktur beschrieb, die den Nebel sichtbar machte — nicht den äußeren, den jeder sehen konnte, sondern den inneren, den Nebel zwischen den Welten, durch den die Wanderer gingen. Frida braute die Tinktur aus Kräutern, die in ihrem Garten wuchsen, als hätten sie auf diesen Moment gewartet. Eisenhut und Mondraute, Bilsenkraut und eine Pflanze ohne Namen, die nur bei Nebel blühte und deren Blüten das Licht auf seltsame Weise brachen. Sie trank drei Tropfen und trat vor die Tür, und der Nebel öffnete sich für sie wie ein Vorhang. Dahinter war eine Stadt, die Quedlinburg war und nicht war — dieselben Gassen, dieselben Fachwerkhäuser, aber jünger, lebendiger, erfüllt von einem Licht, das von nirgendwo kam und überallhin schien. Die Wanderer waren hier real, fest und greifbar, Männer und Frauen aus allen Jahrhunderten, die zwischen den Welten lebten, weil sie weder ganz lebendig noch ganz tot waren. Und Frida, die plötzlich ihre eigenen Hände durch den Nebel schimmern sah, verstand, dass auch sie eine von ihnen war.

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