Viertes Buch. Das Thal der Erniedrigung
Wenn ihr an einem Sommertage die Rhone hinabgefahren seid, so habt ihr vielleicht gefühlt, wie der Sonnenschein getrübt wurde von den verfallenen Dörfern, die hie und da die Ufer bedecken und stummen Bericht geben, wie einst der schnelle Strom, ein zürnender Gott der Zerstörung, sich erhoben hat und die schwachen kurzlebigen Geschlechter hinwegraffte und ihre Wohnstätten zur Wüste machte. Seltsamer Gegensatz, mögt ihr gedacht haben, zwischen dem Eindruck dieser trüben Reste alltäglicher Wohnungen, die selbst in ihrer besten Zeit nur von einem schmutzigen Leben zeugten, welches in all seinen Einzelheiten unserm eigenen gewöhnlichen Zeitalter angehörte, und zwischen der Stimmung, in die uns die Ruinen am burgengekrönten Rhein versetzen, welche zu solcher Harmonie mit den grünen Felsenhöhen verwittert und verschmolzen sind, daß sie von Natur dazu zu gehören scheinen wie die Tanne des Gebirges, – ja, die selbst in der Zeit ihrer Erbauung dazu gepaßt haben müssen, als hätte ein erdgebornes Geschlecht sie errichtet, das von seinem gewaltigen Erzeuger einen erhabenen Formensinn ererbt hatte. Das war eine Zeit der Romantik! Mochten diese Raubritter wilde und trunkene Ungeheuer sein, sie hatten etwas von der Größe wilder Thiere, sie waren reißende Waldeber mit mächtigen Hauern, nicht so gemeine zahme Grunzer; sie repräsentirten die dämonischen Gewalten, die unaufhörlich mit Schönheit,