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Kapitel 54: Die asymptotischen Seelen

LIV. Die asymptotischen Seelen. Carmelite brachte eine glückliche Nacht zu, eine Nacht, die sich nur mit jener Frühlingsnacht vergleichen ließ, wo sie mit Colombau ihren schönen Rosenstock, dessen Wurzeln zwischen den Steinen einer Grabstätte gewachsen waren, ausgehoben hatte. Er liebte sie also. Dieses ernste, starre Wesen, dessen Gesicht allein dem Mädchen so viel Furcht einflößte, hatte die zarten Frömmigkeiten und die kindlichen Schwächen der Liebe! — Nur, — hierin von den anderen Menschen verschieden, — hatte es die Scham seiner Zärtlichkeiten und bewahrte in sich ihr unaussprechliches Geheimniß. Diese Offenbarung der Liebe des Bretagners erquickte das Herz von Carmelite, wie ein reichlicher Regen eine vertrocknete Flur erquickt, und schon am anderes Tage sah Colombau, ohne die Ursache dieser Wiedergeburt zu kennen, die alte Heiterkeit von Carmelite wieder grünen. Ihre Stunden waren fortan ausgefüllt; so sehr ausgefüllt, daß ihr die Tage zu kurz und die Nächte zu lang schienen. Ihr Leben ging nicht auf den Zufall hin: es hatte nun einen Zweck. Von diesem Augenblicke an quartierte sich das Glück, — welches in das Haue nur noch, so zu sagen, aus Versehen und wie ein Fremder kam, der sich verirrt und, da er weiß, daß er sich in der Thüre täuscht, immer einen Fuß aufgehoben und zum Fliehen bereit hält, — von diesem Augenblicke an quartierte sich das Glück kühn bald im Zimmer

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