Chapter

Die Möweninsel

Die See zog in schwerer, träger Dünung dahin, als sei auch sie erschlafft von dieser sengenden Hitze, die das unbarmherzige Tagesgestirn vom wolkenlosen Himmel herabsandte. Auf und ab wogte sie in lautloser Gleichmäßigkeit. Keine einzige dieser langen Wellen vermochte sich dazu aufzuraffen, eine Schaumkrone zu bilden. Durchsichtig grün wie ein edler Smaragd schimmerte die Flut, hob sich, senkte sich – ohne jedes Geräusch. Und totenstill wäre es in dieser endlosen Wasserwüste des Indischen Ozeans gewesen, wenn nicht ein paar Möwen und Albatrosse mit heiserem Schrei das einsame Boot umstrichen hätten, in dem einige unglückliche, durstgepeinigte Menschen ihrer letzten Stunde entgegenschmachteten. Es war ein sauber gehaltenes, großes Boot mit reichen Messingbeschlägen und einem Notmast, an dem jetzt jedoch das Segel, von keiner Hand bedient, zwecklos in dem kaum zu spürenden Lufthauch hin und her schlappte. Und ebenso zwecklos drehte sich das Steuer mit seiner langen, gebogenen Pinne bald hierhin, bald dorthin. Führerlos schaukelte das Fahrzeug auf den Wogen. Über seinem Achterdeck bauschte sich eine Art Zelt auf, das die Schiffbrüchigen aus den Vordersegeln und zwei Rudern hergestellt hatten, um Schutz vor den Sonnenstrahlen zu finden. Zwei helle Frauenkleider sah man unter der Leinwand schimmern, daneben die dunkleren Anzüge von drei Männern. Eine vierte Gestalt lag vorn im Boot

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