Die Möwe mit dem goldenen Ring
Die Bucht von Riva blieb immer weiter zurück hinter dem Dampfer, der leise südwärts zog durch das dunkelblaue, stille Wasser. Die Sonne beglänzte diese Bucht. Hafen, Paläste, Häuschen, Hütten, weiß oder ziegelrot oder orangengelb, funkelten freudig in ihr. Die Berge dahinter, auch voll in der Sonne, hatten noch kein Grün, ihre höchsten Kuppen aber noch Schnee. Feber war es. Die Luft sehnsuchtreich, in kleinen, süßen Wellen streichend; die Erde von ungekannten Düften duftend; das Wasser voll von seidiger Weichheit, schmiegsam und lau. Die Bucht von Dorbole blieb nun zurück hinter dem Dampfer, der leise südwärts zog durch das dunkelblaue Wasser. Und dann tat sich je und je rechts und links eine neue Bucht auf, und Kastelle, auf steinernem Arm in den See hinausgereckte Dörfer, Limonengärten, Kirchen auf pinienbestandenen Hügeln traten vor, schnell und nahe, und grüßten und blieben dann auch zurück. Unterdes sank die Sonne. Im Süden tauchte Kap Manerba als blaue Kulisse vor dem reingoldenen Himmel auf; im Osten aber trank Garda in Terrassen, Olivenhainen und uraltmorschen Toren die untergehende Sonne ganz in sich. Und das Wasser zwischen dem Dampfer und diesem östlichen Ufer flammte und brannte, und des Dampfers Weiß, festlich beglänzt von des Himmels und des Wassers Glut, schoß mit den aufgestachelten Wellen spielend dahin. »Sind das Möwen, Axel?« »Ja, Möwen, Maria.« Axel und