Das Testament
»Leider werden Sie das Testament nicht so abgefaßt finden, wie Sie es erwarteten. Es sind einige Vorbehalte darin, die zu Verwicklungen führen dürften.« Herr Brand, der juristische Berater des verstorbenen Gottfried Haller, des reichsten Mannes aus Singenburg blickte sein Gegenüber mit ernster Miene an. »Verwicklungen? Vorbehalte? Was soll das heißen?« Die Worte wurden heftig ausgestoßen und bekundeten zugleich eine gewisse Ueberraschung. »Mein Pate ist doch nicht etwa von seinem Versprechen zurückgetreten?« »Das gerade nicht – indes fassen Sie es doch vielleicht so auf. Ich kann Ihnen die Versicherung geben, Herr Darberg, daß ich ungemein überrascht war, als ich das Testament las.« – »Haben Sie es denn nicht selbst aufgesetzt? Er hat Ihnen doch sicherlich den Auftrag gegeben?« Die Ungeduld machte sich jetzt bei dem Sprecher deutlicher bemerkbar. »Unglücklicherweise nicht. Wäre es der Fall gewesen, so hätte ich ganz entschieden gegen die Klausel Einspruch erhoben, die, hm – den Sinn des ganzen Schriftstückes völlig umwirft.« Arthur Darberg schob sich jetzt immer unruhiger auf seinem Sessel umher. Es war ein großer, hübscher Mensch, etwa 23 Jahre alt und von angenehmen, heiterem Wesen. Seine blauen Augen besaßen einen besonderen Glanz und scharfen Blick. Das glattrasierte Gesicht ließ den hübsch geschweiften Mund und das energische Kinn deutlich hervortreten. So jung er war, aus