Chapter

1. Kapitel. Lockende Pläne

Den Herrn Steuermann August Wend kannte in Heilmuende, der kleinen Hafenstadt an der Ostsee, jedes Kind. Wenn er in dem Vorgarten seines kleinen Haeuschens draussen in der Vorstadt sich mit seinen Rosenst oecken beschaeftigte, rief er den voruebergehenden Buben oder Maedchen stets einen freundlichen Gruss oder ein paar Scherzworte zu. Trotzdem liebte die Heilmuender Jugend den riesigen, breitschultrigen Mann nicht, in dessen gebraeuntem Gesicht unter buschigen Augenbrauen ein Paar dunkle Augen mit unstatem, meist finsterem Blick tief in ihren Hoehlen lagen und ein breiter Mund mit schmalen, grausamen Lippen ebenso sehr die harmlose Freundlichkeit des frueheren Seemanns und jetzigen Rentners Luegen straften. Die Kinder hatten ein sehr richtiges Gefuehl fuer August Wends wahre Charaktereigenschaften. Er war nicht so, wie er gern scheinen mochte. Die ganze Stadt wusste nur zu gut, dass er seinen Neffen Heinrich, der nach dem Tode seiner Eltern notgedrungen bei ihm ein Unterkommen hatte suchen muessen, allzu streng und ohne jede Liebe erzog. Als daher der verschuechterte Junge, der erst vor kurzem zu einem Kaufmann in die Lehre gegeben worden war, eines Tages im Juni 1899 spurlos verschwand, haetten die Heilmuender dieses Ereignis sicherlich sehr lange nach allen Richtungen hin durchgesprochen und allerlei Mutmassungen darueber angestellt, wenn nicht zu derselben Zeit ein anderes

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