Chapter

Auftakt

Das Jahr war gut, der Wein geraten, Das Moseltal voll Nebelglanz, Und allwärts duftete der Braten Der delikaten Martinsgans. O Martinstag! – wie viele Male Kamst du mir mit geheimem Wehn! Wer dich nicht sah im Moseltale, Der hat im Leben nichts gesehn. Du gehst in dunkelbrauner Kutte Durchs weite Land. das fast entlaubt, Und flichst vom Strauch der Hagebutte Korallen dir ums greise Haupt. Du bannst den Dachs in Gruft und Gräben Mit deinem derben Haselstock Und stöberst von den Thyrsusstäben Der Blätter rötliches Geflock. Und wo du gehst, ist still die Runde, Kaum plaudert noch der rasche Fluß; Nur ab und zu im tiefen Grunde Von fernher ein gedämpfter Schuß. Ha, wie die Äuglein sich verklären, Du aller Tage Ehrenpreis! Du hörst die jungen Weine gären, Du schmeckst den ersten »Federweiß«. Wo dir die schmucken Mädels winken, Folgst willig du dem jungen Blut; Du siehst die Moselaner trinken, Und ach! sie trinken alle gut. Und abends, wenn auf Flur und Tennen Der sanfte Lampendocht erwacht, Dann läßt du deine Feuer brennen Von allen Bergen durch die Nacht. Sankt Martinstag! – mir wird so mollig, Mein Denken wird so zart erregt, Wie wenn ein Jäckchen, weich und wollig, Sich schmeichelnd um den Leib mir legt. Kurzum! – der Wein war gut geraten, Das Moseltal voll Nebelglanz, Und allwärts duftete der Braten Der delikaten Martinsgans. Da hielt mich nichts; ich mußte wieder Zu meinem

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