Die Majorin
Die Majorin hielt auf ihrem Rappen vor dem niedrigen Kieferngehölz und sah zu, wie der Mann über das Moor kam. Sie war nicht hergeritten an die Grenze ihrer Felder, um das zu sehen, sondern sie hatte nur getan, was sie jeden Abend zu tun pflegte. Seit sehr vielen Jahren. Nach jedem langen, lauten und sehr einsamen Tage ritt sie hierher an die Grenze. Sie spielte ein bißchen mit diesem Wort, dessen Klang und Bedeutung ihr gefielen, obwohl es sich um keine Landesgrenze handelte, noch um die Grenze irgendwelcher wilder und verbotener Wünsche. Aber wer die Arbeit und Sorgen und Pflichten der Majorin hatte, durfte wohl ein wenig mit einem vieldeutigen Wort spielen, am Abend, wenn die Gespanne von den Äckern heimgekehrt waren, wenn kein Steuerbeamter dagewesen, kein Pferd gefallen, kein Schuldenbrief von ihrem Sohn gekommen war. Das Moor lag nach Westen, und es war schön, eine Weile in den ungeheuren Himmelsbrand zu blicken, in den die Abendwolken stürzten und vor dem die schmalen Birken zwischen Schilf und Ried in starrer Schwärze standen. Auch den Flug eines Reihers gab es mitunter zu sehen, taumelnd wie über einem Feuermeer, oder der Flötenruf eines Brachvogels fiel herab und berührte ihr Herz mit einer bittersüßen Gewalt. Und dann war es gut heimzureiten, zu den dunklen Parkwipfeln am Horizont, die abgewandten Augen noch erfüllt von dem wilden Abendrot und im Ohr noch die weglose