Die Magd des Jürgen Doskocil
Die Stimme der Sterbenden ist leise, aber so scharf, daß das tröpfelnde Licht neben dem Bett unaufhörlich zittert. Der Atem ist schon mühsam, der die Stimme bewegt, aber er wird nicht zu Ende sein, bevor sie alles gesagt hat. Die Hände liegen nebeneinander auf dem blaugemusterten Bettuch. Sie haben schon die Farbe der anderen Welt. Sie sind in sich bewegungslos, aber die Finger heben sich noch einzeln auf und drücken sich wie bei der Aufzählung einer Schuldenreihe wieder in den knisternden Stoff. Der Fährmann Jürgen Doskocil sieht weder in das sterbende Gesicht noch auf die Bewegung der Finger. Er sitzt vornübergeneigt auf dem Schemel aus Holz, die schweren Hände hilflos in dem leeren Raum vor seinen Knien. Man sieht nur seine riesigen Schultern und den wilden Haarwuchs über seinem gebeugten Haupt. Aber er hört die Bewegung der Finger, die Zahl auf Zahl in das blaue Tuch schreiben. Er weiß, daß sie falsch schreiben, daß selbst der Tod dieser Frau falsch ist, aber er bewegt kein Glied seines Körpers. Er krümmt sich gleichsam zusammen, um mit der Schwere seiner Glieder sein Herz zu schützen, in das die kalten Worte hineinzielen. Er weiß, daß es vorübergehen wird. Er weiß, daß alles vorübergeht: der Hunger und der fröstelnde Schlaf, die langen Nächte beim Fischen im schwarzen Wasser, der Spott der Kinder über seine Gestalt, die Jahreszeiten wie die Jahre seines Lebens, die schwer