Chapter

Erstes Kapitel

Tony Schumacher zum Gedächtnis Auf einer weiten, von dunklem Tannenwald und mageren Äckern bedeckten Hochfläche liegt der Marienhof. Eine uralte, schlecht gehaltene, über ferne Höhen sich herschwingende Straße führt dicht an ihm vorbei. Kelten und Römer zogen einst hier des Wegs. Man findet stellenweise noch unverwüstliches Pflaster, das die Spuren von Füßen zu tragen scheint, die längst zu Staub geworden sind. Mancher, der still und vom Lärm des Heute gelöst hier wanderte, meinte die Menschen von gestern um sich zu spüren. Auch der Marienhof selbst ist sehr alt und auf noch älterer Siedlung errichtet. Eingeweihte behaupten, es sei einst ein Siechenhaus hier gestanden. Ein Lazarett, würde man heute sagen; denn römische Legionäre, die sich im rauhen, fremden Land statt des Lorbeers und der Siegesbeute Krankheit und Tod geholt hatten, sollen hier verpflegt und im nahen Wald begraben worden sein. Auch viel später, in den unheimlichen Zeiten des schwarzen Todes, als die Geißelbrüder durch die Lande zogen, war wieder Asyl hier oben. Aber nicht für die Kranken, sondern für die vor der furchtbaren Seuche Geflohenen. Die herbe Luft der Höhe scheuchte den grausigen Würger. Damals muß an das Hauptgebäude das Marienbild gekommen sein, nach dem von nun an der Hof benannt wurde. Zuvor soll er – auch das sagen die Eingeweihten – lange den üblen Namen »Luderhof« getragen haben, weil in der

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