Die linke und die rechte Hand
Sei heiter! Es ist gescheiter Als alles Gegrübel; Gott hilft weiter – Zur Himmelsleiter Werden die Übel. Theodor Fontane Die beiden Jugendfreunde hatten einander seit vier Jahren nicht gesehen, und als sie nun, unter so außerordentlichen Umständen, auf der Rampe des Parlaments zusammenprallten, starrte jeder von beiden in ein fremdes Gesicht. Aber an diesem Tage redeten auch die Fremdesten zueinander. Dicht gedrängt und verkeilt standen die Menschenmassen an den Rampenbögen, dicht geschart, hundertköpfig, auch hinter dem mächtigen, eisenvergitterten Glastor des Abgeordnetenhauses, das der zweifache Druck von außen und von innen geschlossen hielt. Unmöglich, sich da nicht anzusprechen. Ein ernster Mann in mittleren Jahren, halbmilitärisch mit Wickelgamaschen, Feldbluse und einer Art Radfahrkappe bekleidet, drängte mit anderen von innen gegen das Tor. Es ging langsam auf, er trat beherzt in den Spalt, da warf sich ihm, von außen nach innen gerissen, mit hochgeschwungenem Spazierstock, verzerrten Gesichts, ein ungefähr gleichaltriger Herr entgegen. Und mit beschwörender Stimme rief er, die Augen angstvoll vergrößert, den Vordringenden an: »Gehen Sie nicht da hinaus! Ich rat' Ihnen gut!« Der Eindruck war so stark, daß der Angerufene zurücktaumelnd nach dem schon halb in seinem Rücken befindlichen, sich langsam schließenden Torflügel griff; mit voller Kraft nach rechts drängend,