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Vorwort

Vielleicht wars heut vor funfzehn Jahren, als mir Bruder Eybisch die »Lieder einer fruh Vollendeten« in die Hand gab, weil ich vor Einschlafen noch etwas lesen wollte. Es war keine helle Zeit in meinem Leben. Aber »in der Nacht gehn auf die Sterne!« Und die Lieder sind mir in jener Nacht ins Herz gedrungen, zweimal hab ich sie gelesen und spater Hunderte von Malen. Ebenso oft hab ich sie dann verschenkt, an schlichte Menschen, an Leidende und Beladene, an Menschen, die gern beten mogen. Nur einmal ist mir jemand begegnet, der sie kannte. Aber viele derer, die sie durch mich kennen lernten, wissen sie heut auswendig. Erst eben fand ich bei Krankenbesuchen einen alten Kutscher, der die Lieder bei seiner Tochter entdeckt hatte und mir mit Tranen in den Augen einen Gebetvers sagte, den er sich daraus eingepragt hatte. Die Dichterin der Lieder ist Anna Karbe, aber obgleich von drei verschiedenen Ausgaben ihrer Gedichte in sechs Auflagen eine unter ihrem Namen ausgegangen ist, durfte sie heut fast unbekannt sein. Weiteren Kreisen ist dagegen ihre Schwester Lydia bekannt, eine von Gott reich gesegnete Betheldiakonissin, der Pastor G. von Bodelschwingh im Bethelboten Nr. 104 jungst einen sehr lesenswerten Nachruf geschrieben hat. Anna ist am 4. 5. 1852 in Gramzow als Tochter des Amtsrats Karbe geboren, ihre Mutter entstammte der Familie Hengstenberg. 1873 heiratete Anna ihren Vetter

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