Die Liebende
Kara saß gerade vor ihrer farbigen Modellzeichnung, beschäftigt, zwei etwas extravagante Nuancen von orange und violett zu einem Abendkleide aufeinander zu stimmen, als Fritzi hereintrat. Sie war sehr aufgeregt und hielt eine Rechnung in der Hand. »Denk dir, die Herzogin zahlt nicht.« »Aber nein,« sagte Kara gleichmütig. »Ihr Sekretär schickt mir eben die Rechnung zurück. Sobald die Frau Herzogin wieder hier sei, werde selbstverständlich alles beglichen werden. Einstweilen höre ich von ihrem Advokaten, daß sie auf unbestimmte Zeit verreist ist – sie sitzt nämlich in einer Nervenheilanstalt und kommt unter Kuratel.« »Wir werden das Geld schon kriegen,« sagte Kara gleichgültig, wie sie immer in Geldangelegenheiten war. »Ja, aber wann? Und ein Prozeß hat gar keine Aussichten. Dir natürlich ist das egal, du bist die Prinzessin, du zeichnest alle heiligen Zeiten einmal ein Modell, sonst kümmerst du dich um nichts.« »Schimpf doch nicht!« sagte Kara in ihrem müden Aristokratinnen-Ton, der, wie sie wußte, Fritzi besonders irritierte. »Das Atelier geht doch nur meinetwegen so gut, selbst wenn ich gar nichts täte. Wieviel Geld ist es denn?« »Zehntausend Kronen,« sagte Fritzi. Kara war nun doch von der Höhe der Summe etwas impressioniert. Fritzi klagte weiter. »Wie sollen wir existieren mit solchen Außenständen? Die Arbeitskräfte wollen gleich bezahlt sein, die Lieferanten auch, der teure