Die Entschluesselung
Die Entschlüsselung dauerte sieben Wochen und kostete Marco seinen Schlaf, seine Gesundheit und beinahe seinen Verstand. Er hatte das Signal niemandem gemeldet — nicht aus Paranoia, sondern aus der Gewissheit, dass Bürokraten und Militärs die Botschaft beschlagnahmen würden, bevor er sie verstehen konnte. Also arbeitete er allein, in seiner Wohnung in Bad Münstereifel, umgeben von Whiteboards voller Gleichungen und leeren Kaffeetassen, und zerlegte das Signal Schicht um Schicht wie ein Archäologe, der ein Artefakt freilegt.
Die äußere Schicht war Mathematik — Primzahlen, Fibonacci-Folgen, die Kreiszahl Pi bis zur zehntausendsten Stelle. Eine Visitenkarte, dachte Marco, ein Beweis der Intelligenz. Die zweite Schicht war ein Rosetta-Stein: Bilder, codiert als Pixelraster, die grundlegende Konzepte darstellten — Atome, Moleküle, Sterne, Planeten — gepaart mit Symbolen, die offensichtlich eine Sprache bildeten. Marco lernte diese Sprache, Zeichen für Zeichen, wie ein Kind, das zum ersten Mal lesen lernt.
Die dritte Schicht war die Botschaft selbst, und als Marco sie schließlich verstand, saß er lange schweigend da, die Hände im Schoß, und starrte auf den Bildschirm. Die Botschaft war keine Begrüßung. Sie war keine Einladung zum Dialog. Sie war eine Warnung, präzise und unmissverständlich, geschickt über vierhundert Lichtjahre und durch vier Jahrhunderte, adressiert an jeden, der