Chapter

Ninas Verlobung

Oft wünschte jetzt Nina den Lauf der Zeit aufhalten zu können, so glücklich fühlte sie sich. – Gibt es denn auch irgend eine Zeit in unserem Leben, welche mit derjenigen verglichen werden kann, wo wir lieben und geliebt werden, – wo diese Liebe, frei von dem Kampfe der Leidenschaften, über alles, was uns umgibt, ein schönes Licht verbreitet? – Nur ganz wenige Menschen wissen, was eine solche Liebe in sich schließt; aber Diejenigen, die sie kennen gelernt haben, rufen gleich einem ausgezeichneten Schriftsteller: Es gibt nur eine reine Liebe! – obgleich die Nachbildungen derselben unzählig sind. Ninas letztes Auftreten fand gegen Ende Mai statt. – Thora saß in Gesellschaft ihrer Tante und ihres Bräutigams im ersten Rang. Nach dem Schluß der Vorstellung gingen Thora und Emil hinunter aufs Theater, wo sie mit Gras Hugo und Heinrich zusammentrafen. »Ich glaube, daß auch Hugo auf unsere ausgezeichnete Sängerin wartet,« bemerkte Thora mit einem feinen Lächeln. »Nein, ich warte auf meine Braut,« antwortete er. »Mein Gott! was sagst du, ist es möglich, daß eine zukünftige Gräfin Oernhjelm sich auf dem Theater unter Schauspielerinnen, Lampenputzern und Coulissen aufhält? Das gibt ja einen Flecken an deinem adeligen Wappenzeichen!« rief Thora ironisch. »Deine Ironie gleitet an meinem Ohr vorbei, ich werde sofort das Vergnügen haben, sie vorzustellen.« »Auf dem Theater?« »Gewiß.« »Da ich

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