Chapter

Kapitel 1

Die Stadt liegt am Fjord. Und von den Spazierwegen, die um die Hintergärten herumlaufen, hat man über das Wasser hinweg eine Aussicht auf ferne Hügel, Wälder und Gehöfte. Es ist eine alte Stadt und eine liebe Stadt mit vielen kleinen, wundervollen Häusern, sonderbaren Straßennamen und winkligen Gassen und Straßen. Und mitten in der Stadt auf einem Hügel liegt die Kirche, groß und weiß, mit bunten Fensterscheiben und zackigen Giebeln. Sie heißt »die Kirche der Weißen Schwestern«. Und ihren Namen hat sie aus der Zeit, als die Stadt katholisch war und hinter ihren kiesbedeckten Wällen Klöster und Stiftungen und fromme Schulen barg, wo die Söhne und Töchter der Bürger unter Psalmengesang und Weihrauch lernten, daß das Leben hienieden nur eine Wanderung in Gebet und Entsagung sein soll; eine Reise durch Waldesdickicht, an drohenden Abgründen entlang, wo bei jedem Schritt, den man tut, Tausende von Gefahren auf einen lauern. Und wo man das Ziel nur dann mit heiler Haut und ohne zu straucheln erreicht, wenn man von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, ja selbst in der Nacht, seinen Blick und seine Gedanken und all sein Sehnen nicht auf die Welt und auf das, was von der Welt ist, richtet, sondern auf das Eine, Unsagbare und Unfaßliche: daß das Leben hienieden nur ein ewiger Tod, der Tod selber aber die Schwelle des ewigen Lebens ist. Ja, so lebte und lehrte man dazumal. Jetzt war es

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