Erstes Kapitel
»Melancholie steigt auf aus dickem Geblüt. Was kann ich dafür, daß mein Blut schwarz und dick fließt? Da hilft kein Purgieren und Aderlassen. Alle Kräfte Himmels und der Erden wirken zusammen, um einen einzigen Menschen so zu machen, wie er ist: wie soll ich selber mich anders machen können? »Mit eigener Willensstärke soll ich mich erlösen aus meinem Trübsinn. Aber Wille ist ja nur bewußte Lebenskraft. Ich suche die verlorene Lebenskraft wieder: wie kann ich sie durch den Willen gewinnen, der nur aufkeimt aus der Lebenskraft, der in ihr enthalten ist und eins mit ihr? »Paracelsus schreibt: des Menschen Wille könne so stark werden, daß einer durch den Geist allein, durch bloßes inbrünstiges Wollen, ohne Schwert einen anderen steche – aber das Rezept zu dieser Willensstärke hat er uns nicht hinterlassen. »So bleibe ich preisgegeben der Melancholie, dem dicken Blute, dazu auch der Hypochondrie, die mir das viele Studieren in den Unterleib gehext hat. »Ueberall siehet der Mensch Krankheit vor sich, Elend an Leib und Seele, Not und Tod. Nur im größten Leichtsinn mögen wir fröhlich sein. Die sichere Erkenntnis unserer Schwachheit ohne die sicheren Mittel, ihr zu wehren, das ist der größte Fluch, der auf das Menschengeschlecht geladen ward. Das Tier erkennt nicht einmal seine Gebrechlichkeit: dennoch weiß es sicherer ihr zu steuern. Die Schlange, wenn sie aus der Höhle kriecht, heilt