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Die Lawine von St. Thomas

Der Pfarrer Paul Matthias Hornberger hatte eben in das Kirchenbuch der kleinen Berggemeinde St. Thomas eingetragen, daß in letzter Nacht die ehrengeachtete Witwe des Alois Schirmer, Maria Walpurga Schirmer, geborene Rix, infolge einer bösartigen Entzündung des rechten Armes, welche auf den ganzen Leib übergegriffen, in Gegenwart und unter den Händen des Wirtes und Bauern Josef Huber und seiner Ehefrau Anna Huber, die sich der Kranken in christlichem Erbarmen angenommen, nach Gottes Willen selig entschlafen sei. Langsam legte er die Feder vor sich hin. »Selig entschlafen.« Wohl, aber man hätte dazu schreiben müssen: Unter großen Schmerzen und vieler Herzensangst, lautem Klagen und erschütterndem Bangen um ihres Buben willen. So hatte es der Wirt erzählt, und wer könnte das nicht verstehn? Sie ist ein blutarmes, geschlagenes Weib gewesen, die Maria Walpurga. Blutarm und geschlagen wie so viele in St. Thomas. Matthias Hornberger selber. Er ist erst reichlich fünfzig, aber wie sieht er aus? Als Hornberger vor fast dreißig Jahren nach St. Thomas kam, war die Maria ein kleines lachendes Mädel mit blauen Augen und einem braunen Lockenköpfchen. Dann ward sie ein blühendes Dirnlein, die Schönste in St. Thomas, und ihre Augen blieben so rein, wie sie in den Kinderjahren gewesen waren. Hernach heiratete sie den Alois Schirmer, und nach zwei Jahren ward der Loisl geboren, der vor reichlich

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