Die Kunstreise nach Hümpeldorf
Seine besten Freunde lernt man gewöhnlich durch den reinsten Zufall kennen. Als ich noch in Hamburg die Zahl der praktischen Ärzte vergrößern half und mein schönes Messingschild mit der Aufschrift »Dr. med. & chir. Edwin Scharff, approb. Arzt« zwecklos an der Luft oxydierte, war ich eines Abends in eine gräßliche Versammlung hineingeraten; wie ich nachher sah, in eine Versammlung von solchen Beamten, die einander vier Stunden lang beim Bier ihre Examina und die damit zusammenhängenden geistigen Erlebnisse vorzählen, mit beneidenswertem Gedächtnis produzieren, daß jener Kollege bei drei Examinibus bereits 3250 Mark Gehalt beziehe, dieser aber bei vier wohlbestandenen Prüfungen erst 3000 Mark genieße, daß Kollege R. nächstens die dritte Zulage erhalte, Kollege F. aber die fünfte &c. &c. Diese Männer gehörten, wie ich in Erfahrung brachte, einem Verein von 423 Mitgliedern an, von denen zu den Versammlungen in 8 der Regel dreizehn Stück erschienen, nur selten sank die Zahl der Besucher auf zwölf oder elf. Ein »guter« Bekannter, den eine »Pflicht« dahintrieb, hatte mich mitgeschleppt, wohl in dem freundschaftlichen und auch ganz richtigen Gefühl, daß man sich zu zweien erträglicher mopse als allein. Ausnahmsweise wurde aber heute aus dem »Mopsen« nichts. Vor der Dreizehner-Versammlung stand ein frischer, vollwangiger, noch recht junger Mann von schlanker Statur mit hellem, goldrotem