Chapter

Kindheit

In weißlich flimmerndem Lichte lag der große, freie Platz der alten, stillen Stadt, von dem aus die steile, holperige Burgstraße zu der Burg und dem alten Dome emporführte. Um diese Nachmittagsstunde ließen sich in den engen, dunstigen Straßen nur wenige sehen, und auch die vielen Fremden, die sonst von überall her kamen, um auf diesem Wege nach der alten Burg mit ihren vielen Erinnerungen und Schönheiten emporzusteigen, mieden den Weg. Selbst in dem kleinen Garten der Wirtschaft an der Platzecke, der ganz mit Reben umsponnen war, war niemand anwesend, nur eine junge, weiße Katze spielte zwischen den eisernen Stäben des Gitters mit den herabhängenden Reben. Aber trotzdem war der Platz nicht ganz leer. Oben auf einem freieren Raume, auf den roten Stufen, die ebenfalls auf kürzerem, steilerem Wege zum Schlosse führen, an einem kleinen Garten, in dem vollerblühte Rosen in den leuchtendsten Farben besonders gepflegt wurden, kauerten zwei junge Menschen nebeneinander, zwei Kinder noch, die so in ihre Tätigkeit vertieft waren, daß die Sonnenglut sie nicht störte, die ihre Gesichter längst dunkel gebräunt hatte. Der Junge saß dicht am Rande der Stufen und ließ die bloßen, ebenfalls stark gebräunten Füße baumeln, während er auf dem Schoße eine ziemlich große Zeichenmappe hielt, über die sein Bleistift mit selbstvergessener Hingabe hastete, als müßte er in kürzester Zeit etwas

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